Schu­le und Zuhau­se. Gegen­sät­ze müs­sen sich für eini­ge Wochen anzie­hen. Tota­les Cha­os oder eine ernst zu neh­men­de Alternative?

Freitag, 13.03.2020

Die Dis­kus­sio­nen in der Klas­se neh­men zu. Kei­ner weiß genau, bis wann wir noch Schu­le haben wer­den, doch allen ist klar, dass es nur noch auf weni­ge Tage hin­aus­lau­fen kann. Wäh­rend die einen die­ser Fakt bedrückt, freut sich die Mehr­heit über die bal­di­gen „Coro­na­fe­ri­en“.

Wir sol­len alle Bücher und Hef­ter aus unse­rem Spind mit nach Hau­se neh­men. Das ist ein beson­ders gro­ßer Spaß, wenn man 9 Hef­ter und 8 Bücher in der Schu­le lagert. Die gesam­te Atmo­sphä­re ist irgend­wie komisch. Das Wet­ter ist schlecht und nie­mand rea­li­siert wirk­lich, dass das alles Rea­li­tät ist.

In der zwei­ten Hof­pau­se krie­gen wir dann end­lich Infor­ma­tio­nen. Die Schu­le wird ab Diens­tag bis zu den Oster­fe­ri­en geschlos­sen, aber es wird Online-Unter­richt geben und die münd­li­chen MSA Prü­fun­gen fin­den wie gehabt statt. Wei­te­re Details sol­len wir im Lau­fe der Tage über unse­re Ver­tre­tungs­plan-App erhal­ten. Wir gehen mit dem Wis­sen, nichts zu wis­sen, in das Wochenende.

Samstag, 14.03.2020

Über das Wochen­en­de wird schon klar, dass die nächs­te Zeit äußerst inter­es­sant wer­den wird. Min­des­tens vier Leu­te ken­nen den Log­in für den Ver­tre­tungs­plan nicht. Es wird jedes Mal in der Klas­sen­grup­pe danach gefragt. Des Wei­te­ren klappt bei Vie­len das Anmel­den in Pydio nicht, dem Pro­gramm, über das wir die nächs­ten Wochen unse­re Auf­ga­ben erhal­ten werden. 

Zuerst wird beim Ein­ge­ben des Links bei den Meis­ten eine Sicher­heits­war­nung ange­zeigt. Wenn die­se umgan­gen wur­de, gibt es natür­lich wie immer Kandidat*innen, die nicht ihre Zugangs­da­ten wis­sen. Ist jedoch auch das geschafft, ist es wirk­lich kom­pli­ziert, den rich­ti­gen Ord­ner zu fin­den, der natür­lich noch leer ist. Eines mei­ner neu­en Hob­bys wird es des­halb, meh­re­ren Leu­ten per Klas­sen­chat den Log­invor­gang in Pydio zu erklä­ren. Mit der Zeit kommt dann auch die App schul.cloud dazu. Hint­sicht­lich die­ser haben wir kei­ne offi­zi­el­len Infor­ma­tio­nen erhal­ten und mir erschließt sich der genaue Sinn momen­tan noch nicht, aber wenigs­tens haben dort eini­ge Lehrer*innen lus­ti­ge Profilbilder.

Eines mei­ner neu­en Hob­bys wird es des­halb, meh­re­ren Leu­ten per Klas­sen­chat den Log­invor­gang in Pydio zu erklären.

Ame­lie, Autorin bei der Herderzeitung

Montag, 16.03.2020

Durch einen Coro­na­fall in der Fami­lie eines*einer Mitschüler*in darf mei­ne Klas­se schon am Mon­tag die Schu­le nicht besu­chen. Das bedeu­tet zum einen, dass wir einen Tag mehr frei haben, aber auf der ande­ren Sei­te haben wir kei­ne gro­ße Chan­ce, neue Infor­ma­tio­nen zu erhalten.

Dienstag, 17.03.2020

Schriftzug "Stay Home - Save Lives"
Seit Diens­tag, dem 17. Febru­ar, sind alle Ber­li­ner Schu­len zu. So sol­len wei­te­re Infek­tio­nen ein­ge­dämmt werden.

Da ich ver­su­che, einen schul­ähn­li­chen Schlafrhyth­mus bei­zu­be­hal­ten, sit­ze ich am Diens­tag um Punkt 9 Uhr am Schreib­tisch und bear­bei­te die ers­ten Auf­ga­ben. Ich behaup­te, dass ich damit zu den Ers­ten aus mei­ner Klas­se gehö­re. Mei­ne Auf­ga­ben habe ich übri­gens nicht über Pydio erhal­ten, son­dern per E‑Mail.

Als es dann nach eini­gen Stun­den wirk­lich Arbeits­auf­trä­ge auf Pydio gibt, wer­de ich sehr schnell dar­um gebe­ten, die­se in die Klas­sen­grup­pe zu sen­den, da trotz allem bei vie­len Pydio ein­fach nicht funk­tio­niert. Die­ses Sche­ma zieht sich im übri­gen durch die gesam­te Zeit.

Per­sön­lich fällt es mir rela­tiv leicht, die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben in aus­rei­chen­dem Umfang und in ange­mes­se­ner Zeit zu erle­di­gen. Ich höre jedoch immer wie­der von Mitschülern*innen, dass es ihnen durch ihr Zeit­ma­nage­ment sehr schwer­fällt. Außer­dem fehlt man­chen auch ein­fach ein*e Lehrer*in, der*die Fra­gen beantwortet.

Donnerstag, 19.03.2020

Schu­le ist doch nicht so blöd, wie man häu­fig denkt.

Ame­lie, Autorin bei der Herderzeitung

Die nächs­ten Tage lau­fen bei mir rela­tiv ent­spannt ab. Umso wei­ter jedoch die Zeit vor­an­schrei­tet, des­to lang­wei­li­ger wird es. Am Don­ners­tag und Frei­tag der ers­ten Woche erle­di­ge ich die Auf­ga­ben nur noch, weil ich kei­ne bes­se­re Beschäf­ti­gung habe. Auf­fäl­lig ist vor allem, dass jede*r Lehrer*in sein*ihr eige­nes Kon­zept hat, wodurch es häu­fi­ger zu Irri­ta­tio­nen kommt. Wäh­rend die einen eine über­schau­ba­re Men­ge an Auf­ga­ben für die nächs­ten drei Wochen auf­ge­ge­ben haben, wel­che auch nicht ein­ge­sam­melt wer­den, geben ande­re wesent­lich mehr Arbeit für ein­zel­ne Tage auf.

Neben den unter­schied­li­chen Dead­lines und der hohen Men­ge an Auf­ga­ben fällt eine Sache ganz beson­ders auf: Der Klas­sen­chat wur­de noch nie so häu­fig und sinn­voll genutzt wie jetzt. Zum Schluss muss ich aber auch noch fest­stel­len, dass ich mich wirk­lich freu­en wür­de, mal wie­der ein paar Men­schen zu sehen und Schu­le viel­leicht doch immer nicht so blöd ist, wie man häu­fig denkt.

Die­ser Arti­kel wird über die kom­men­den Wochen fort­lau­fend aktualisiert.

Bil­der mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Pixabay/ und Pixabay/gregroose
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