Im Dezem­ber ste­hen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten die Wah­len an. Wer wird Ame­ri­kas nächs­ter Prä­si­dent? Und vor allem wie?

Ein poli­tisch sehr bedeut­sa­mes Ereig­nis steht bevor: die 59. Prä­si­dent­schafts­wahl der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka. Doch wie genau funk­tio­niert das Wahl­sys­tem in den USA? Und wer außer Donald Trump kan­di­diert als Präsident?

Kandidat*innen im Jahr 2020

Bei den Republikaner*innen wird der*die Kandidat*in mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit wie­der Donald Trump sein, denn bis­lang gibt es kei­ne ernst­zu­neh­men­de Kon­kur­renz. Bei den Demokrat*innen stan­den zuerst zwei Män­ner in der enge­ren Aus­wahl: Joe Biden und Ber­nie San­ders. Letzt­end­lich durch­set­zen konn­te sich Joe Biden, nach­dem Ber­nie San­ders sei­ne Kan­di­da­tur zurück­ge­zo­gen hat.

Vorwahlen

Das US-ame­ri­ka­ni­sche Wahl­sys­tem unter­schei­det sich deut­lich von unse­rem in Deutsch­land. Lan­ge vor den Wah­len ent­schei­det in den soge­nann­ten Vor­wah­len eine Aus­lo­sung aller Kandidat*innen der Demokrat*innen und der Republikaner*innen dar­über, wer tat­säch­lich im eigent­li­chen Wahl­kampf antritt. Auf­grund der aktu­el­len Lage und der schnel­len Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus wur­den die­se nun jedoch schon in meh­re­ren Staa­ten verschoben.

Je nach Bun­des­staat unter­schei­det sich das Vor­wahl­sys­tem, das ent­we­der „Pri­ma­ries“ oder „Cau­cu­ses“ genannt wird. Bei Ers­te­rem stim­men regis­trier­te Wähler*innen in öffent­li­chen Wahl­lo­ka­len geheim für eine*n Kandidat*in ab. Tref­fen sich regis­trier­te Wähler*innen einer Par­tei hin­ge­gen an öffent­li­chen Orten, dis­ku­tie­ren die­se zunächst gemein­schaft­lich und stim­men anschlie­ßend per Hand­zei­chen für ihre*n Kandidat*in ab, spricht man vom Letzteren.

Die Anzahl an Dele­gier­ten eines Bun­des­staa­tes hängt von der ört­li­chen Bevöl­ke­rungs­zahl ab.

Auch der Tag, an dem die Vor­wah­len statt­fin­den, unter­schei­det sich je nach Bun­des­staat. Ein beson­de­rer Tag ist der „Super Tues­day“, denn an die­sem wird gleich­zei­tig in einer Viel­zahl von Staa­ten über die Kandidaten*innen abge­stimmt. Am natio­na­len Par­tei­tag fin­det dann die Wahl des*der offi­zi­el­len Präsident*innenschaftskandidat*in der Par­tei durch die ins­ge­samt 2.286 Dele­gier­ten statt. Der*die Kandidat*in, der*die am Ende mehr als die Hälf­te aller Stim­men der Dele­gier­ten erhält, also min­des­tens 1.148, gewinnt, obwohl dies meist schon vor dem natio­na­len Par­tei­tag feststeht. 

Der weitere Wahlprozess

Alle wahl­be­rech­tig­ten US-Amerikaner*innen wäh­len durch eine indi­rek­te Wahl den*die Präsident*in. Sie stim­men für soge­nann­te Wahlmänner*frauen („Elec­to­ral Voters“), wel­che dann wie­der­um für den*die gewünsch­te Kandidat*innen stim­men. Jeder Bun­des­staat ver­fügt über unter­schied­lich vie­le Wahlmänner*frauen, die von der Ein­woh­ner­zahl des jewei­li­gen Bun­des­staa­tes abhän­gen. Der bevöl­ke­rungs­reichs­te Staat Kali­for­ni­en besitz allein 55 Wahlmänner*frauen, klei­ne Staa­ten wie Mon­ta­na hin­ge­gen nur drei.

All­ge­mein gilt das The-Win­ner-Takes-It-All-Prin­zip. Das bedeu­tet, der*die Kandidat*in mit den meis­ten Stim­men bekommt alle wei­te­ren Stim­men. Der*die ande­re Kandidat*in geht leer aus. Nebras­ka und Mai­ne sind die ein­zi­gen Staa­ten, in denen die­ses Prin­zip nicht gilt: Die Wahl­leu­te kön­nen hier auch auf­ge­teilt wer­den. Auf­grund die­ses Grund­sat­zes wird in man­chen Bun­des­staa­ten, zum Bei­spiel in soge­nann­ten „Swing Sta­tes“, mehr Wahl­kampf betrie­ben als in ande­ren. Staa­ten wie Flo­ri­da, in denen die Chan­ce für bei­de Par­tei­en bis zum Ende bestehen bleibt und in denen kei­ne Vor­her­sa­ge über die poli­ti­sche Rich­tung getrof­fen wer­den kann, wer­den so bezeich­net. Kali­for­ni­en und Texas hin­ge­gen sind Bei­spie­le für Staa­ten, die seit Jah­ren sicher die eine oder die ande­re Par­tei wäh­len: Ers­te­rer die Demo­kra­ten und letz­te­rer ie Republikaner.

Das Votum des „Elec­to­ral Col­le­ge“, aller Wahlmänner*frauen erfolgt im Dezem­ber die­sen Jah­res. Die­ses Gre­mi­um besteht aus 538 Per­so­nen. Präsident*in wird der*diejenige, der*die die abso­lu­te Mehr­heit der Stim­men aller Wahl­leu­te bekommt, also min­des­tens 270 Stim­men. Die Ver­ei­di­gung erfolgt im dar­auf­fol­gen­den Jahr.

Kritik wird laut

Immer wie­der wird die Fra­ge auf­ge­wor­fen, inwie­fern das ame­ri­ka­ni­sche Wahl­sys­tem gerecht ist, da „Elec­to­ral Vote“ und „Pop­lu­ar Vote“, also die Zahl der abge­ge­be­nen Stim­men, gegen­ein­an­der auf­ge­wo­gen wer­den. Kritiker*innen mei­nen, demo­kra­ti­sche Grund­prin­zi­pi­en wer­den ver­letzt. So kann es wie auch 2016 sein, dass ein*e Kandidat*in nati­ons­weit die meis­ten Stim­men bekommt, die Wahl jedoch trotz­dem verliert. 

Nach dem 3. Novem­ber 2020 wird klar sein, ob die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka wei­ter­hin vom der­zei­ti­gen Amts­in­ha­ber Donald Trump regiert wer­den oder nicht. Wer weiß, viel­leicht wird das Coro­na­vi­rus auch die ers­te Ver­schie­bung der US-Wah­len in der Geschich­te ver­ant­wor­ten müssen.

Bild mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Pixabay/chayka1270
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