Mit der Coro­na­kri­se steht die quee­re Com­mu­ni­ty nicht vor ihrer ers­ten Herausforderung.

Den meis­ten wird der Chris­to­pher Street Day (CSD) in Städ­ten wie Ber­lin oder Köln ein Begriff sein. In eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern wird häu­fig von „Pri­de“ oder der „Pri­de Para­de“ gespro­chen. Ziel dabei ist das Zele­brie­ren der LGBTQIA+*-Community.

 Denn im Jah­re 2020 gibt es lei­der noch gro­ße Pro­ble­me. In 69 Län­dern ist Homo­se­xua­li­tät straf­bar, in sie­ben wird sie mit der Todes­stra­fe geahn­det. Geset­ze gegen trans- und inter­se­xu­el­le Per­so­nen gibt es in noch mehr Län­dern, zu denen auch die USA gehö­ren. Zum Bei­spiel wur­de erst vor kur­zem ein Gesetz ver­ab­schie­det, wel­ches Ärzt*innen dazu befä­higt, die Behand­lung von Trans­gen­der-Per­so­nen zu ver­wei­gern. Außer­dem erle­ben gera­de vie­le jun­ge Mit­glie­der der LGBTQIA+*-Community auf der gan­zen Welt Dis­kri­mi­nie­rung in ihren Fami­li­en oder wer­den von ihren Freund*innen nicht akzeptiert. 

 Homophobie in den Sechzigern

Um auf die­se Pro­ble­ma­ti­ken auf­merk­sam zu machen und damit betrof­fe­nen Per­so­nen Rück­halt und einen siche­ren Ort zum Fei­ern zu bie­ten, wird seit 1970 Pri­de gefei­ert. Die besag­ten Para­den und Demons­tra­tio­nen fin­den immer im Juni statt, was einen geschicht­li­chen Hin­ter­grund hat. Die „Stone­wall-Auf­stän­de“ mar­kie­ren den Wen­de­punkt und Start der moder­nen LGBTQIA+*-Bewegung. Ihren Ursprung haben sie am 28. Juni 1969 in der New Yor­ker Sze­ne-Bar Stone­wall Inn. In den sech­zi­ger Jah­ren gab es in New York immer wie­der Raz­zi­en gegen Homo­se­xu­el­le. Dabei wur­den meist Bars oder Nacht­clubs, die in der Homo­se­xu­el­len­sze­ne bekannt waren, gestürmt und alle Anwe­sen­den geoutet oder sogar festgenommen.

Stonewall als Wendepunkt der Geschichte 

Im Stone­wall Inn fand genau am 28. Juni 1969 solch eine Raz­zia statt. Die Woche davor war Judy Gar­land ver­stor­ben, mit der sich vie­le Per­so­nen der LGBTQIA+* Com­mu­ni­ty iden­ti­fi­zie­ren konn­ten. Außer­dem wur­de die Raz­zia um 1:20 Uhr in der Nacht zum Sams­tag durch­ge­führt, was wesent­lich spä­ter war als üblich. Bei­de Grün­de hat­ten zu Fol­ge, dass sehr viel mehr Men­schen anwe­send waren als sonst. Wie genau die Situa­ti­on eska­lier­te, ist nicht bekannt, jedoch wird berich­tet, dass die Trans­frau­en Mar­sha P. John­son und Syl­via Rive­ra Fla­schen auf Poli­zis­ten war­fen und so die Schlä­ge­rei­en auslösen. 

Wut auf die Polizei 

Die Nach­richt der Schlä­ge­rei­en ver­brei­te­te sich schnell und vie­le Anwohner*innen ver­sam­mel­ten sich. In der ers­ten Nacht wur­den vie­le Men­schen von der Poli­zei miss­han­delt und ver­haf­tet. Die Zahl der Pro­tes­tie­ren­den wird auf 2.000 Per­so­nen geschätzt, wel­che sich mit Stei­nen und Fla­schen gegen 400 Polizist*innen wehr­ten. Die Zahl der Ver­letz­ten ist nicht bekannt. In der zwei­ten Nacht waren die Pro­tes­te weni­ger bru­tal und rund fünf Tage nach dem ers­ten Auf­stand kam es erneut zu Auf­ru­hen. Rund 1.000 Men­schen ver­sam­mel­ten sich an der Bar. Es ent­lud sich die Wut, wel­che die LGBTQIA+*-Community auf die Poli­zei hat­te. Seit Jahr­zehn­ten wur­den zumeist Homo­se­xu­el­le von der Poli­zei miss­han­delt, ver­haf­tet, geoutet und getö­tet. Dadurch ent­stan­den erneut enor­me Sachschäden. 

Entstehung des CSDs 

Die Auf­stän­de waren Grund­la­ge für eine öffent­li­che, homo­se­xu­el­le Befrei­ungs­be­we­gung. Im dar­auf­fol­gen­den Jahr ver­an­stal­te­te eine der neu gegrün­de­ten Orga­ni­sa­tio­nen namens Gay Libe­ra­ti­on Front einen Marsch, um an die Stone­wall- Auf­stän­de zu geden­ken. 5.000 bis 10.000 Men­schen nah­men schät­zungs­wei­se an die­sem Marsch von Green­wich Vil­la­ge bis zum Cen­tral Park teil. Damit wur­de die Tra­di­ti­on des Chris­to­pher Street Days begrün­det, wel­cher jedes Jahr im Juni zele­briert wird. 

Pride mit dem Coronavirus

Durch den Aus­bruch der Covid-19-Pan­de­mie ist die­ses Jahr natür­lich auch der CSD als Groß­ver­an­stal­tung abge­sagt. Vie­le emp­fin­den die­sen Umstand als sehr tra­gisch, da die Freu­de auf die­sen Tag oft groß ist. Abhil­fe dabei ver­su­chen zum Bei­spiel über 100 ver­schie­de­ne Creator in der App Tik­Tok zu schaf­fen. Um die viel­fäl­ti­ge Reprä­sen­ta­ti­on der LGBTQIA+*-Community zu zele­brie­re, hat die Nut­ze­rin fix.kiara.fx den „Vir­tu­al Pri­de“ ins Leben geru­fen. Dabei ist das Ziel, zusam­men mit der glo­ba­len LGBTQIA+*-Community Pri­de mul­ti­me­di­al zu fei­ern und dabei neu­es über die Geschich­te und die Com­mu­ni­ty zu ler­nen. Das soll Abhil­fe in Zei­ten von Coro­na schaffen.

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