Die Ver­brei­tung von Coro­na ist unver­meid­bar. Alles ist nur ein Spiel mit der Zeit. War­um Soli­da­ri­tät und die Ver­lang­sa­mung der Aus­brei­tung die Schlüs­sel zur Bekämp­fung sind.

Seit Wochen wer­den Nach­rich­ten­sen­dun­gen ver­län­gert. Ande­re Pro­ble­me wie der Streit über die Auf­nah­me von Flücht­lings­kin­dern, die an der tür­kisch-grie­chi­schen Gren­ze ver­har­ren müs­sen, gera­ten in den Hin­ter­grund und wer­den nur noch sel­ten thematisiert. 

Es geht nur noch dar­um, das Worst-Case-Sze­na­rio zu umge­hen. Selbst die Kanz­le­rin, der vor­ge­wor­fen wird, sie habe bei der Flücht­lings­kri­se im Jahr 2015 zu wenig Prä­senz gezeigt, stellt sich vor die Kame­ras und spricht bedenk­li­che Wor­te aus:

„Es ist ernst. Neh­men Sie es auch ernst.“ 

Ange­la Mer­kel, Bundeskanzlerin

„Es ist ernst. Neh­men Sie es auch ernst“, sagt sie in einer von ihr eher uner­war­te­ten und unge­wohn­ten Fern­seh­an­spra­che ans Volk. Seit dem Zwei­ten Welt­krieg habe es kei­ne Situa­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik gege­ben, die solch ein „gemein­sa­mes, soli­da­ri­sches Han­deln“ fordere. 

Die Lage scheint ange­spannt, stünd­lich wer­den von der Bun­des­re­gie­rung in Zusam­men­ar­beit mit dem Robert-Koch-Insti­tut neue War­nun­gen, Ein­schrän­kun­gen und Hin­wei­se ver­öf­fent­licht. Wäh­rend in den ers­ten Wochen noch der Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn die Öffent­lich­keits­ar­beit erle­digt hat, schal­tet sich die Regie­rungs­chefin von nun an per­sön­lich ein. 

Angela Merkel steht vor einem Rednerpult, der mit dem Slogan "Die Mitte." und dem CDU-Logo beschriftet ist.
Ange­la Mer­kel infor­miert über Maß­nah­men über die rasan­te Ver­brei­tung des Coronavirus

Tag der geschlossenen Tür

Schu­len, Kitas und öffent­li­che Ein­rich­tun­gen müs­sen geschlos­sen blei­ben. Ver­an­stal­tun­gen, Mes­sen und Semi­na­re wer­den kurz­fris­tig abge­sagt. Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen klei­ner, selbst­stän­di­ger Unter­neh­men und der Gas­tro­no­mie­bran­che lei­den finan­zi­ell. Für sie bedeu­ten die Zwangs­schlie­ßun­gen im Zwei­fels­fall die Privatinsolvenz. 

Das sozia­le Leben ist voll­stän­dig ein­ge­schränkt, Kon­takt mit jeg­li­chen Per­so­nen­krei­sen soll ver­mie­den wer­den. Stän­dig wird ans Hän­de­wa­schen, Zuhau­se­blei­ben und das Fern­hal­ten erin­nert. War­um ist es so wich­tig, die­sen Rat­schlä­gen und For­de­run­gen Fol­ge zu leisten?

Eine Pandemie ist nicht mehr zu stoppen

Auch wenn gesun­de Men­schen ohne sekun­dä­re Erkran­kun­gen von einer Infek­ti­on mit dem Virus im Nor­mal­fall nicht umkom­men, gilt es, in die­sem Fall nicht nur auf sein eige­nes Wohl, son­dern auf das Wohl der Gesell­schaft zu ach­ten. Es gibt Men­schen, für die eine Infek­ti­on mit dem Virus töd­lich enden kann. Zu die­sen Risi­ko­pa­ti­en­ten zäh­len nach Anga­ben des Robert-Koch-Insti­tuts älte­re Men­schen ab 50 Jah­ren, Raucher*innen, Men­schen mit Vor­er­kran­kun­gen, bei­spiels­wei­se an der Lun­ge, Men­schen mit einem schwa­chen Immun­sys­tem oder Dia­be­tes und auch Krebspatienten. 

Eine Pan­de­mie ist nicht mehr zu stoppen. 

Simon Rös­ler, Autor bei der Herderzeitung

Es geht nicht mehr dar­um, die Ver­brei­tung des Coro­na-Virus zu ver­hin­dern. Eine Pan­de­mie ist nicht mehr zu stop­pen. Viro­lo­gen und ande­re Fach­ärz­te gehen inzwi­schen davon aus, dass sich zwei Drit­tel der Deut­schen mit dem Virus infi­zie­ren wer­den. Die meis­ten von uns, 80%, wer­den nur sehr leicht erkran­ken, doch rund 20% benö­ti­gen ärzt­li­che Hil­fe, rund sechs Pro­zent davon sogar inten­siv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung. Sechs Pro­zent, das klingt nach einer klei­nen Zahl. In der Pra­xis sind das mehr als eine Mil­lio­nen Men­schen allein in Deutschland. 

Wür­den sich all die­se Men­schen in den kom­men­den Tagen und Wochen mit dem Virus infi­zie­ren, so wäre unser Gesund­heits­sys­tem mit den Kran­ken­häu­sern und Kli­ni­ken voll­kom­men über­las­tet. Stellt man sich die Ver­brei­tung von Coro­na als einen Gra­phen mit expo­nen­ti­el­ler Stei­gung vor, dann geht es dar­um, die­sen Gra­phen unter die Kapa­zi­täts­gren­ze zu stau­chen. Denn für die Viro­lo­gen ist es kei­ne Fra­ge, dass sechs Pro­zent schwer erkran­ken, für sie ist wich­ti­ger, wann das geschieht. 

Das Wir steht im Vordergrund

Es ist also unse­re Pflicht, die soge­nann­ten Risikopatienten*innen zu schüt­zen. Selbst wenn wir sel­ber nicht direkt mit einem schwe­ren Krank­heits­ver­lauf kon­fron­tiert wer­den, müs­sen wir, wie von der Bun­des­kanz­le­rin gefor­dert, gemein­sam und soli­da­risch handeln. 

Zum Abschluss ihrer Anspra­che sagt Ange­la Merkel: 

„Die­se Situa­ti­on ist ernst und offen. Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhän­gen, wie dis­zi­pli­niert jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt. Wir müs­sen, auch wenn wir so etwas noch nie erlebt haben, zei­gen, dass wir herz­lich und ver­nünf­tig han­deln und so Leben ret­ten. Es kommt ohne Aus­nah­me auf jeden Ein­zel­nen und damit auf uns alle an.“ 

Ange­la Mer­kel, Bundeskanzlerin

Dem schlie­ße ich mich rest­los an. Lasst uns in den kom­men­den Tagen und Wochen mit Bedacht, aber ohne Panik handeln.

Bild mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von JonasSchmidt1989 / Pixabay
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