Die Verbreitung von Corona ist unvermeidbar. Alles ist nur ein Spiel mit der Zeit. Warum Solidarität und die Verlangsamung der Ausbreitung die Schlüssel zur Bekämpfung sind.

Seit Wochen werden Nachrichtensendungen verlängert. Andere Probleme wie der Streit über die Aufnahme von Flüchtlingskindern, die an der türkisch-griechischen Grenze verharren müssen, geraten in den Hintergrund und werden nur noch selten thematisiert.

Es geht nur noch darum, das Worst-Case-Szenario zu umgehen. Selbst die Kanzlerin, der vorgeworfen wird, sie habe bei der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 zu wenig Präsenz gezeigt, stellt sich vor die Kameras und spricht bedenkliche Worte aus:

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, sagt sie in einer von ihr eher unerwarteten und ungewohnten Fernsehansprache ans Volk. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine Situation in der Bundesrepublik gegeben, die solch ein „gemeinsames, solidarisches Handeln“ fordere.

Die Lage scheint angespannt, stündlich werden von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut neue Warnungen, Einschränkungen und Hinweise veröffentlicht. Während in den ersten Wochen noch der Gesundheitsminister Jens Spahn die Öffentlichkeitsarbeit erledigt hat, schaltet sich die Regierungschefin von nun an persönlich ein. 

Angela Merkel steht vor einem Rednerpult, der mit dem Slogan "Die Mitte." und dem CDU-Logo beschriftet ist.
JonasSchmidt1989 / Pixabay Angela Merkel informiert über Maßnahmen über die rasante Verbreitung des Coronavirus

Tag der geschlossenen Tür

Schulen, Kitas und öffentliche Einrichtungen müssen geschlossen bleiben. Veranstaltungen, Messen und Seminare werden kurzfristig abgesagt. Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen kleiner, selbstständiger Unternehmen und der Gastronomiebranche leiden finanziell. Für sie bedeuten die Zwangsschließungen im Zweifelsfall die Privatinsolvenz.

Das soziale Leben ist vollständig eingeschränkt, Kontakt mit jeglichen Personenkreisen soll vermieden werden. Ständig wird ans Händewaschen, Zuhausebleiben und das Fernhalten erinnert. Warum ist es so wichtig, diesen Ratschlägen und Forderungen Folge zu leisten?

Eine Pandemie ist nicht mehr zu stoppen

Auch wenn gesunde Menschen ohne sekundäre Erkrankungen von einer Infektion mit dem Virus im Normalfall nicht umkommen, gilt es, in diesem Fall nicht nur auf sein eigenes Wohl, sondern auf das Wohl der Gesellschaft zu achten. Es gibt Menschen, für die eine Infektion mit dem Virus tödlich enden kann. Zu diesen Risikopatienten zählen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ältere Menschen ab 50 Jahren, Raucher*innen, Menschen mit Vorerkrankungen, beispielsweise an der Lunge, Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder Diabetes und auch Krebspatienten.

Eine Pandemie ist nicht mehr zu stoppen.

Simon Rösler, Autor bei der Herderzeitung

Es geht nicht mehr darum, die Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Eine Pandemie ist nicht mehr zu stoppen. Virologen und andere Fachärzte gehen inzwischen davon aus, dass sich zwei Drittel der Deutschen mit dem Virus infizieren werden. Die meisten von uns, 80%, werden nur sehr leicht erkranken, doch rund 20% benötigen ärztliche Hilfe, rund sechs Prozent davon sogar intensivmedizinische Betreuung. Sechs Prozent, das klingt nach einer kleinen Zahl. In der Praxis sind das mehr als eine Millionen Menschen allein in Deutschland.

Würden sich all diese Menschen in den kommenden Tagen und Wochen mit dem Virus infizieren, so wäre unser Gesundheitssystem mit den Krankenhäusern und Kliniken vollkommen überlastet. Stellt man sich die Verbreitung von Corona als einen Graphen mit exponentieller Steigung vor, dann geht es darum, diesen Graphen unter die Kapazitätsgrenze zu stauchen. Denn für die Virologen ist es keine Frage, dass sechs Prozent schwer erkranken, für sie ist wichtiger, wann das geschieht. 

Das Wir steht im Vordergrund

Es ist also unsere Pflicht, die sogenannten Risikopatienten*innen zu schützen. Selbst wenn wir selber nicht direkt mit einem schweren Krankheitsverlauf konfrontiert werden, müssen wir, wie von der Bundeskanzlerin gefordert, gemeinsam und solidarisch handeln.

Zum Abschluss ihrer Ansprache sagt Angela Merkel:

„Diese Situation ist ernst und offen. Das heißt: Es wird nicht nur, aber auch davon abhängen, wie diszipliniert jeder und jede die Regeln befolgt und umsetzt. Wir müssen, auch wenn wir so etwas noch nie erlebt haben, zeigen, dass wir herzlich und vernünftig handeln und so Leben retten. Es kommt ohne Ausnahme auf jeden Einzelnen und damit auf uns alle an.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Dem schließe ich mich restlos an. Lasst uns in den kommenden Tagen und Wochen mit Bedacht, aber ohne Panik handeln.

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